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Zurück zur Hauptseite: Click. Lesen Sie den gesamten Artikel als PDF-Datei: Click. Lernen unterm Sternenbanner Wie dumm sind Letzter und 3. Teil: Pilotprojekt auf Dauer Dreiteilige Reise durch die Bildungslandschaft der USA von Bernd Hendricks Für den deutschen Bildungsbürger muss all das
- die Marktgesetze, das Testchaos, der hemdsärmelige Pragmatismus,
das rasende Tempo der Reformen, überhaupt Reformen - ein Horror sein.
Bildung ist für ihn ein Sakrileg, das nicht angetastet werden darf,
und wenn die Bildung in die Krise fällt, wie in Pisa- und Unicef-Studien
beschrieben, so wandelt er sie vom Sakrileg zum Privileg, das er gegen
Fremdlinge eisern verteidigt. Vorrecht ersetzt Reform. Kinder der Angestammten
dringen bis zum Gymnasium durch, Einwandererkinder bleiben unten. Das
reicht, um die Bedürfnisse der Privilegierten, der Wahlberechtigten,
der oberen Gesellschaftshälfte zu befriedigen. Das deutsche Bildungssystem
unternimmt laut Unicef-Vergleich nichts, um Immigrantenkinder einzugliedern,
zu fördern, ihnen Chancen zu eröffnen. Einwanderer sind in Amerika Quelle allen Reichtums, der
Kultur, des Lebens. Niemand zweifelt daran, jeder weiß, dass die
Gesellschaft Amerikas aus den Talenten und Taten der Neuankömmlinge
gewoben ist. Selbst die konservativsten Politiker umgeben sich bei ihren
Wahlkampfauftritten mit Aufsteigern, deren Eltern einst aus armen Ländern
kamen. Der Begriff "Ausländer" ist eines der am wenigsten
benutzten Wörter im amerikanischen Englisch, denn wer heute "Ausländer"
ist, kann morgen US-Bürger sein, und wer heute US-Bürger ist,
ist sich seiner "ausländischen" Vorfahren aus Europa, Lateinamerika,
Asien und Afrika wohl bewusst. Die Zahl der im Ausland geborenen US-Bewohner
wuchs im Jahre 2002 auf 33 Millionen, schätzt das U.S. Census Bureau,
das statistische Bundesamt der Vereinigten Staaten. Allein in Kalifornien
machen sie einen Bevölkerungsanteil von 26,9 Prozent aus, in der
Stadt Miami sogar 60,6 Prozent, in New York City über ein Drittel.
Der "amerikanische Traum", der aus aller Welt so viele Menschen
anzieht, ist kein Mythos, wie die Geschichte Mei Yu Zou erzählt,
der computerlernenden Näherin aus Chinatown. Sie kam Ende der Achtzigerjahre
aus China, sie ist heute US-Bürgerin, ausgepresst in einer Schwitzbude
des Textildistrikts, aber fest entschlossen, ein besseres Leben zu erarbeiten.
Sie ist davon überzeugt, dass Amerika ihr die Chancen bietet, mehr
als jeder andere Ort der Welt. Im Einwanderungsland Amerika ist Bildungseifer deshalb auch
eine Einwanderertugend. Wer hier überleben und aufsteigen will, muss
sich selbst auf die Wissenssuche begeben. Einwanderer sind beflissener
als Eingesessene und deshalb ist Bildung von allen Etiketten befreit.
In Deutschland ist sie ein Orden an der Brust des Bildungsbürgers,
in Amerika ein Schraubenschlüssel im Gepäck fürs Leben,
kein Statussymbol, sondern Werkzeug, Mittel zum Zweck. Für die meisten
Amerikaner soll Wissen helfen, Probleme zu lösen, nicht zu erklären.
Häufiger als in Europa sind Arbeit und Lernen miteinander verschmolzen.
Wer sich weiterbilden will, tut es "on the spot", konkret, während
des Arbeitsprozesses, für David Richardson, Ökonomieprofessor
an der Syracuse University im Staat New York ist dies die erfolgreichste
Bildungsmethode. Vom Staat organisierte Weiterbildung für Arbeiter
und Angestellte, die ihre Arbeit verloren haben, zahle sich nicht aus,
glaubt Richardson. Es sei viel besser, ihnen Geld für Weiterbildung
direkt zu geben, denn nur sie wüssten, was sie brauchen, um einen
neuen Job zu finden. Es gibt keinen Bildungsurlaub, es gibt überhaupt nur
14 Tage Urlaub für die meisten arbeitenden Amerikaner, weshalb die
Abendklassen der nichtstaatlichen Bildungsinstitutionen gefüllt sind.
Gewerkschaften gehören zu den attraktivsten Bildungsanbietern, und
mit dem "Consortium for Worker Education", das Mei Yu Zou am
Computer unterweist, haben sie sogar das größte Weiterbildungszentrum
New Yorks geschaffen. Es bildet in Bau- und Gesundheitswesen, in Logistik
und Kindererziehung, es schult arbeitslose Kellner, Köche und Bäcker
um, es betreibt Programme für angehende Computerspezialisten, Sprachprogramme,
Kurse für die Jobsuche, konzipiert und finanziert von den Gewerkschaften
der New Yorker Bauarbeiter, der Automobilarbeiter, der Schlosser und öffentlich
Bediensteten, der Textilarbeitergewerkschaft "Unite" und den
"Teamsters", der mächtigen Transportarbeitergewerkschaft.
Der Weg zur akademischen Welt führt durch die Schulungsräume
der Gewerkschaften an der 7. Avenue in Manhattan: Arbeiter durchlaufen
hier Vorbereitungskurse für das College. New Yorks wohlhabendste Gewerkschaft, die Gewerkschaft des
Gesundheitswesens 1199 SEUI, bildet Kranken- und Altenpfleger aus. Es
gibt niemanden im Krankenhaus- und Altenpflegesystem des Bundesstaats
New York, der nicht durch die Berufsschule der Gewerkschaft gegangen ist,
jedes Jahr sind es 35.000. Die Krankenhäuser bezuschussen das Trainingszentrum
auf der 42. Straße, sparen an eigenen Bildungsbemühungen und
zahlen im Gegenzug dem Personal gute Löhne. Lizensierte, gewerkschaftlich
gebildete und organisierte Krankenpfleger verdienen doppelt soviel wie
ihre unorganisierten, weniger gut gebildeten Kollegen, ein Anreiz, sich
1199 SEIU anzuschliessen. Beinahe 100 Prozent des Personals der Krankenhäuser
und Pflegeheime sind Gewerkschaftsmitglied. Gewerkschaften sind bessere Lehrer als der Staat, folgert
das Center for an Urban Future, eine sozialwissenschaftliche Forschungsgruppe
in New York, aus einer Studie über die Weiterbildung in Amerika.
Gewerkschaftsbetriebene Ausbildung sei besser finanziert, gründlicher
und länger und "konzentriert sich auf echte Arbeitsplätze,
zielt auf die Arbeitgeber und hilft Beschäftigten erfolgreich, sich
auf einen besseren Berufsweg vorzubereiten," heißt es in der
Untersuchung. Fortsetzung (Seite 2 v. 2): Click. Lesen Sie den gesamten Artikel als PDF-Datei: Click. Zurück zur Hauptseite: Click.
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