Überfall
im Tramps Cafe

Eine (wahre) Kurzgeschichte von Bernd Hendricks

Leseprobe:

"Jeder New-York-Besucher kommt irgendwann während seiner Reiseerzählungen, meistens sehr rasch, weil er dringend danach gefragt wird, auf den Raubüberfall zu sprechen, dessen Opfer er wurde. Zumindest kann der Erzählende einen Raubüberfall bezeugen. Er hat einen am hellen Tage mit eigenen Augen beobachtet. Oder er hat wenigstens davon gehört, daß ein wehrloser Mensch von Gangstern bedroht und beraubt wurde. Meist ist der Fragende (und deshalb auch schon weniger Zuhörende) auch schon befriedigt, wenn der Erzählende einen Artikel aus einem Magazin über eine Gewalttat am Times Square wiedergibt. Und nichts ist mit der Wahrheit enger verwoben, als das gedruckte Wort, das weiß ich als Autor wohl am besten.

Was Raubüberfälle anbetrifft, kann ich auf persönliche Erfahrungen zurückgreifen. Ich wurde an einem Mittwoch gegen halb zehn Uhr abends auf der 21. Street zwischen der 5. und 6. Avenue überfallen. Der Raub fand im Tramps Cafe statt, in einem geschlossenen Raum also, in einem recht beliebten Louisiana Blues Club, der zum Zeitpunkt der Tat rege besucht war. Das bedeutet, dem Überfall wohnten einige Dutzend Zeugen bei. Der Begriff „Zeuge" ist vielleicht nicht richtig, denn die meisten Besucher des Tramps Cafe schenkten der Sache keine Beachtung.

Der Überfall dauerte knapp fünf Minuten. Und in dieser Zeit war ich sehr ruhig und gefaßt. Ich möchte sogar sagen, daß mir vierfünftel dieser Zeitspanne nicht bewußt war, was vor sich ging. Der Überfall wurde von einer kräftigen Frau verübt. Sie nahm mir 17 Dollar ab. Sie hieß Brenda. Das weiß ich, weil sie ihren Namen auf einem Schildchen an ihrer Brust trug. Sie nahm mich kaltblütig aus und präsentierte dabei noch in aller Kühnheit ihre Identität, ein Umstand, der mir heute noch einen Schauer über den Rücken jagt..."

Die vollständige Geschichte als PDF-Datei ( 98 kB): Click.

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