Poetry Slam
Eine literarische Reportage von Bernd Hendricks

Leseprobe:

"...Forsch schlägt die Türe auf. Lautlachend dringt der Abend ein, dreist Terrain einnehmend, breitbeinig, schlurfig, staksig, schleichend.Spitzbart, Baseballmützen, Nickelbrillen, Gesichter enthüllen Pickelgrillen. Bleichgesichter, Augen wie Schweigelichter, ihre Blicke Claim absteckend. Goldene Finger, kurze Röcke, dicke Beine. Heiße Parfums und kalter Zigarettenrauch schmusen in der Luft und weichen zurück vor dem Krokodilledertäschchen, das herniedersaust...

... Knielange Hose ungebügelt, Stricktasche grün blau rot, Oxford-Journal fällt heraus wie Zufall. Strohhut. Haare kurz gestriegelt...Krawatte gelb mit großen blauen Punkten. Ein blauer Anzug klemmt sich an den Tresen. Und sein Insasse verschmilzt symbiotisch mal mit seinen Texten, mal mit seinem Bier.Draußen spannt sich sternklarer Himmel über die Stadt. Hier drinnen, im Nuyorican Poets Cafe auf der 3. Street, Lower East Side, wird es eng. Vollmondüberwacht.

Poetisches Weltgeplapper an den Tischen: kreolisch, afrikanisch, irisch, asiatisch, brasilianisch, Puerto-Rico natürlich, Brooklyn, Schweiz, Indianisch. Suchen freie Stühle. Dralle Poesie auf Zehenspitzen...

... Ein Wunderkind stützt ihren Kopf auf die hölzerne Tischplatte. Vor lindenblütenweißer Haut, zwischen schwülstigen rotbemalten Lippen bläht sich ein Ball, gefüllt mit heißem Atem. Ein paar runde Augen, halb treu, halb höhnisch blicken über die Kugelrundung. Die Luft nun eingesaugt erschlafft das Kaugummi, und es hängt als fader Fetzen an den feuchten Lippen. Ihre Zunge züngelt sich von hinten an und schiebt die rosa Masse hinter die Zähne. Sie grinst unverschämt einen Jüngling an. Er erkennt, was ihm geschieht, doch bevor er reagieren kann, hat sie sich ruckartig weggedreht, der Bühne zu..."

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