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Leseprobe: Blinde Wächter Warum FBI und CIA den Terror des 11. September nicht verhindern konnten - von Bernd Hendricks Wenige Tage nach der Jahrtausendfeier, auf der die Welt
hoffnungsfroh in die Zukunft blickte, bestiegen im Januar 2000 auf dem
Flughafen der thailändischen Hauptstadt Bangkok zwei junge Männer
ein Passagierflugzeug zu einem großen Flug nach Osten. Viele Stunden sahen die Beiden unter sich den grauen Pazifik,
ab und zu ein paar gelbbraune Inselkleckse, bis das Ziel ihrer Reise,
für sie überraschend, vielleicht sogar enttäuschend sanft
und gutmütig vor ihnen lag. Eine zerknüllte, dunkelgrüne
Landschaftsdecke hob sich aus dem Meer. In ihren Mulden glitzerten Städte
und Städtchen. Dahinter streckte sich die gelbe kahle Wüste
bis zu der schneebepuderten Wand der Rocky Mountains, eine schlummernde,
ahnungslose Welt unter Frühabenddunst. Als die Maschine zur Landung
sank, erkannten die zwei Männer die berühmten Wellen und Strände
und schlanke Palmen und dann die endlose flache Stadt Los Angeles. Auf dem LAX, dem Los Angeles International Airport, zeigten
die jungen Männer ihre Pässe, die sie den Grenzbeamten als Staatsbürger
Saudi-Arabiens auswiesen. Ihre Namen waren Khalid al-Midhar und Nawaq
Al-Hazami. Sie hatten gültige Visa, und es gab für die Grenzbeamten
keinen Grund, sie abzuweisen. Al-Midhar und Al-Hazami wollten in Amerika
studieren. Was sie in den ersten Stunden oder Tagen in Los Angeles im einzelnen
trieben, ist unbekannt, ebenso der Umstand, unter welchem sie am Tag ihrer
Ankunft oder am Tag danach, einen Mann namens Omar al-Bayoumi kennenlernten.
Al-Bayoumi sprach ihre Sprache, er war ihr Landsmann, ein junger Student
wie sie. Man weiß, dass sie ihn in einem Restaurant in Los Angeles
begegneten. Ob sie ihn jedoch kannten oder ob er ihnen ein Unbekannter,
ob das Treffen zufällig oder verabredet war, bleibt im Dunkeln. Fest
steht, dass al-Bayoumi sie zunächst einige Tage in seiner Wohnung
beherbergte und ihnen half, zweieinhalb Autostunden südlich, in der
Küstenstadt San Diego eine Bleibe zu finden. Er zahlte zwei Monatsmieten
und die Kaution und auf dem Mietvertrag erschien sein Name als Mitunterzeichner.
Er führte die Ankömmlinge zum Gebet in die örtliche Moschee,
stellte sie dem islamischen Geistlichen vor, organisierte für sie
sogar eine Willkommensfeier mit Mitgliedern der moslemischen Gemeinde. Später wird man erfahren, dass al-Bayoumi nicht Student,
sondern Angestellter der saudi-arabischen Regierung war, und dass seine
beiden Freunde ihren Bildungshunger nicht in einer Universität, sondern
in einer privaten Flugschule bei San Diego stillten. Dort lernten sie
Passagierflugzeuge zu fliegen und später, im Frühsommer des
Jahres 2001, nach einer längeren Unterbrechung, würden sie in
Arizona ihren Flugunterricht wieder aufnehmen. Im Juni 2000 war al-Midhar
nach Oman, einem Ölstaat auf der arabischen Halbinsel, gereist. Al-Hazami
blieb bis Dezember 2000 in San Diego, zog dann in den Bundesstaat Arizona,
wo er später wieder mit al-Midhar zusammentraf, der im Juli 2001
in die USA zurückgekehrt war. Ihre Fluglehrer waren überrascht,
weil die beiden wünschten, nur das Starten und Fliegen zu lernen.
Ans Landen waren sie nicht interessiert. Die Boeing 767 startete pünktlich mit 81 Fluggästen und elf Flugbegleitern und Piloten an Bord. Dreißig oder vierzig Minuten später, als die Maschine ihre Flughöhe erreicht hatte, stürmten al-Midhar und Al-Hazami mit weiteren Komplizen das Cockpit, zwangen die Piloten, ihre Sitze freizugeben, übernahmen das Steuer und jagten die Maschine wenig später in das Pentagon-Gebäude. Sie vollendeten, was Minuten zuvor ein Dutzend anderer Terroristen in New York und Pennsylvania begonnen hatte: den bis dahin blutigsten - und folgenschwersten - Angriff auf die Vereinigten Staaten, den Terroranschlag vom 11. September. Ihr Freund al-Bayoumi verließ wenig später die Vereinigten Staaten mit einem Hinflugticket nach Riad, der saudischen Hauptstadt, und kehrte nie wieder zurück. . . .II
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